Neuraltherapie?
Lokalanästhetika?
Ein persönlicher Zugang
Spritzen und Nadeln waren mir so fern wie alles Invasive. Die kindliche Erfahrung aus Krankenhäusern und Impfungen, bei denen ich mir wie abgefertigtes Vieh vorkam, hatten gewiss ihren Beitrag dazu geleistet. Procain So dachte ich in meiner anfänglichen Karriere als Heilpraktikerin gar nicht über den Einsatz einer derartigen Methode mit einem Pharmazeuticum nach. Nun, nach so einigen Jahren, hat sie mich erobert und meine Faszination ist groß.
Procain – Einordnung und Literaturbezug
Dass Procain, als ein Vertreter der in der Neuraltherapie verwendeten Lokalanästhetika eine vordergründig völlig andere Funktion hat, möchte ich hier nach Studium der Literatur - bei Dosch (Neuratherapie nach Hunecke), Weinschenk (Handbuch Neuraltherapie), sowie Barop (Taschenatlas der Neuratherapie nach Hunecke) - zusammenfassend darlegen.
Warum Schmerzen entstehen
Gewebeschädigungen gehen einher mit Ionenverschiebungen der H(plus)-Ionen. Im Gewebe gebildete Säuren und aus den Zellen austretendes Kalium erzeugen Schmerzen.
Wirkung auf Zellstoffwechsel und Membranen
Je saurer, desto größer der Schmerz. Schmerzhafte Entzündungen haben einen pH von 5,9. Ein pH von 7,2 ist gewebeisotonisch. In der Neuraltherapie werden Lokalanästhetika wegen ihrer Wirkung auf den Zellstoffwechsel verwendet. Die oftmals sofort erzielte Schmerzminderung ist ein willkommener Nebeneffekt. Sie schützen die Grenzflächenmembran, verhindern das Entstehen von Aktionspotentialen der Nervenzellen und Nervenfasern durch kleine Reize. Dadurch werden Membranpotentiale stabilisiert und gegen depolarisierende Noxen geschützt.
Die Zelle kann ihr verlorengegangenes elektrisches Potential wiedererlangen.
Eigenschaften von Procain
Procain ist:
vegetativ ausgleichend, also je nach Ausgangslage anregend oder entspannend. schmerzstillend, zentral und peripher analgetisch sowie fiebersenkend, antiallergisch und spasmolytisch antientzündlich lokal richtig angewendet unterbricht es pathogene Reflexe und reaktiviert das vorher blockierte Neurovegetativum kreislaufregulierend, gefäßerweiternd, gefäßabdichtend hemmt Reizbildung am Herzen, wirkt antiarrhythmisch verbessert die Microzirkulation (z.B. das Abfließen von Ödemen) wirkt antihistaminisch kapillarabdichtend spasmolytisch auf die glatte Muskulatur Bildung und Ausschüttung von Hormonen und Enzymen regt die Diurese an bessert das Allgemeinbefinden, normalisiert Sensibilität und Trophik leistungssteigernd regt Bildung von Monozyten, Histiozyten und Mastzellen an verbessert die Zellatmung
Und so weiter...
Was das für die Praxis bedeutet
Übersetzt für die Praxis heißt das: Procain ist vielseitig einsetzbar, ergänzend zu anderen Mitteln oder Methoden, besonders angesagt jedoch bei Schmerzprozessen wie Migräne, Schulter-Arm-Syndrom, Ischialgie oder Hexenschuss.
Heilreize und Störfelder
Man spricht in der Fachliteratur von Heilreizen, die durch die Injektion vorgenommen werden. Störfelder, wie vernarbte Mandeln (zB. nach rezidivierenden Tonsillitiden) werden entstört, ermüdete Organe, wie z.B. die Schilddrüse, angeregt.